Im Dorfkern von Castel San Pietro:

Im Zentrum des Dorfes, wo die Via Magni Artisti in die Via della Chiesa mündet, befindet sich an den Hausnummern 26 und 28 Das Haus von Giovanni Pietro Magni (Privatbesitz). Wenn man durch das Haupttor eintritt, hat man Zugang zu den beiden Wohnungen. Unmittelbar nach dem Hauptportal befindet sich rechts ein fast versteckter Zugang zum alten Eingang, über dem ein stuckgerahmtes Medaillon mit dem Porträt von Giovanni Pietro (geb. am 2. Mai 1655 in Bruzella, gest. in Castel San Pietro zwischen 1722 und 1724) verrät, wo sein Wohnsitz war. Er baute dieses Haus um 1690. Wahrscheinlich war es bereits in zwei Wohnungen unterteilt, deren Räume heute mit Stuck verziert sind. Vermutlich nur eines davon als das einzige noch verbliebene Zeugnis des Künstlers zu betrachten.

Giovanni Pietro entwarf auch das Beinhaus, das an derselben Stelle gebaut und dann abgerissen wurde, an der 1858 das Schulgebäude (heute: das ehemalige Schulgebäude) eingeweiht wurde. Der Künstler hinterliess seine Spuren in Deutschland, in Ober- und Unterfranken. Zunächst schmückte er den Saal des Schlosses Elisabethenburg in Meiningen. Danach arbeitete er in den Räumen des Zisterzienserklosters in Waldsassen und später in der Zisterzienserabtei in Ebrach. In Bamberg war er im Benediktinerkloster Michelsberg tätig und gestaltete die Altäre der Martinskirche. Zeugnisse seiner Arbeit finden sich an verschiedenen anderen Orten in Franken: unter anderem schmückte er in Würzburg die Fürstenzimmer im Juliusspital, in Kitzingen das inzwischen zerstörte Schloss und die Pfarrkirche, in Volkach das Schloss Gaibach. Das Beste seines reichhaltigen Schaffens findet man im vom Main durchflossenen Würzburg, nämlich am linken Flussufer auf einem mit prächtigen Weinbergen bepflanzten Hügel, der von der Festung Marienberg überragt wird. Hier, in den Räumen der Bischofsresidenz (der den Titel eines Fürsten trug und einer der Schirmherren war), arbeitete Giovanni Pietro. Zu dieser Zeit wurde in der Stadt Würzburg am „Barockisieren" des romanischen Doms St. Kilian gearbeitet. Das Gebäude wurde um das Jahr 788 geweiht; ein Brand im Jahr 855 zerstörte es. In den folgenden Jahrhunderten wurde es schrittweise wieder aufgebaut (die Weihe der Bruno-Krypta fand 1045 statt, die des Chors und der Altäre des Kirchenschiffs um 1188). Von 1699 bis 1749 fand die Umwandlung im Barockstil statt, an dem Giovanni Pietro Magni zwischen 1701 und 1705 beteiligt war, wobei er eine Gruppe von Tessiner Künstlern hinzuzog, die er beauftragte, mit Stuckkaturen und Statuen die Wände des Doms zu verschönern. Heute ist nur noch wenig von seinem Werk zu sehen; der Bombenangriff vom 16. März 1945 machte das Dach des Hauptschiffs und des nördlichen Seitenschiffs instabil. Am 20. Februar 1946 stürzte dieses ein und ein grosser Teil seines Meisterwerks wurde zerstört. Der Wiederaufbau dauerte bis 1967, vom Werk des Künstlers sind nur noch die (durch die einheitliche weisse Farbe entstellte) Verzierung des Chors, des Querschiffs, der Querschiffsarme und des südlichen Seitenschiffs erhalten.